Montag, 12. März 2018

Frostgrenze

In deinen Worten fliegen Zugvögel.
Der Fluss rauscht lauter als sonst,
sammelt Schnee von den Bergen.

Alle Sätze müssen sterben.
Am Fuß der Kastanie
liegen die toten.

Zwischen Blättern
sitzt du und brichst mir
das Jahr von den Lippen,
trägst letzte Silben
verwittert in ein Gedicht.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Winternacht

Zwischen Lebkuchen
lag die Liebe,
zuckrig und dünn.

Jeden Abend füllte ich Nüsse
und Hoffnung
in Schalen.

Durch deine Worte
fädelte ich weißen Docht,
damit die Flammen
Wärme in die Nächte sprühten.
Doch Winter lag noch
zwischen deinen Wimpern,
und auf den Schultern
haftete der Schnee.

Samstag, 28. Oktober 2017

Zeitwall

Meine Sehnsucht schweigt
sich alt.
Ich träumte schwarzen Sand,
der fiel und fiel
und an den Ufern Falten legte.
Dort rauscht ein Fluss
und nagt am Tagesrand.
Ich bäumte mich im Schlaf
und legte Jahresringe
ans Gestade,
doch das Wasser
zog sie in den Sog
der Wellen.

Am Morgen ragten
sieben Deiche
tief ins Land.

Montag, 27. Februar 2017

Stromlauf

Unsere Flüsse driften auseinander.
Immer mehr Land
sammelt sich zwischen uns.

Ich bäumte mich auf
und warf stets von Neuem
Sand in die Strömung,
doch die Wellen leckten
nur an den Rändern
und wichen aus.

Heute messe ich die Hügel in Versen
und lege Worte in die Täler.

Stürme graben Stimmen
aus den Buchstaben

Im Fallen
werden ihre Hülsen
zu Schnee.

Sonntag, 21. August 2016

Manchmal häutet sich

die Zeit,
und aus dem Innern tönen
Melodien früher Träume.
Die Adern pochen leis den Takt.
Als Ahnen hallt ein jeder Ton
Sekunden in mir nach.

Dann finde ich dich noch
in Harmonien
zwischen Tag und Schlaf.

Samstag, 9. April 2016

Vorzeichen

Müde wird mir
das Wort.
Leise gleitet es
von den Lippen.

Um uns schweigt
in weißer Frühlingssonne
das Wachstum,

und der Tag schlägt
mit dem Tau.

Noch zieht der Blick
über Haut
und Leintücher, die im Wind flattern.
Später durchschneiden Tiefflieger
das Abendrot,
und auf meinem Mund
liegt ein fremder Schatten.

Samstag, 9. Januar 2016

Träume tragen keine Wanderschuhe

Als die Worte von den Bäumen fielen,
regnete es.
Die Erde bog sich
wie eine hohle Hand.

Du holtest Eimer und Schirm,
doch unsere Träume
eilten barfuß
über Disteln.

Heute stelle ich mir vor,
wir hätten uns aus dem Schweigen gelebt
und in den Nebenströmen
der Zeit versteckt –
vielleicht hätte unser Boot
getragen,
dich,
mich
und den Eimer mit Worten.